Mein großer Wunsch ins Ballett zu gehen musste leider scheitern, dafür waren wir endlich mal im Theater „el árbol de los cerezos o la fugacidad del tiempo“. Mateo, Frieda und ich. Am Anfang konnte ich erstaunlich gut folgen bis ich leider 5 Minuten nach Beginn einfach eingeschlafen bin… Da ich gerade faste war Pizza essen danach auch nicht und wir hatten zwar diesmal sogar viele Ideen bei wem wir schlafen könnten, aber natürlich nichts organisiert, also sind wir danach einfach wieder direkt heim gefahren, was von Buenos Aires allerdings ja dann auch bis 4 Uhr dauert. Mein Trost: in 2 Wochen hab ich mir ein verlängertes Wochenende genommen und ab geht’s ans Meer. Mar de plata! Ist zwar Winter und wir haben wieder nur ein Zelt, ein kaputtes dazu und wir sind zu dritt – auch meine beiden Schatzis – aber endlich Meer, dafür setze ich viel!
Um euch ein bisschen über die Arbeit auf dem Laufenden zu halten: im Sommer, also Januar, haben wir unsere unglaubliche Tomatenschwemme zu Soße verarbeitet und in Flaschen gefüllt. Da es das erste Mal war, war das ganze Rezept noch nicht so sehr ausgefeilt und die Hälfte wurde leider schlecht. Schlecht heißt gegoren und gegoren heißt es weitet sich aus, der Deckel ist aber meist so gut zu, dass die ganze Flasche explodiert, explodiert heißt explodiert und zwar richtig. Der Flaschenhals wird abgesprengt, die Soße spritzt, die Restflasche zersplittert. Daher waren die bis jetzt alle im ehemaligen Schweinestall aufbewahrt, wo sie in Ruhe explodieren und spritzen konnten. Irgendwie waren sie aber ja für den Verkauf gedacht und da kam ich arme kleine Nina ins Spiel, die immer ins Spiel kommt wenn sich sonst kein Bereich drum kümmern will. In diesem kleinen Schweinestall stehen, liegen, türmen sich jetzt also hunderte von Glassplitter, Soßenreste, gute Flaschen, schlechte Flaschen. Wer schon mal das Pech hatte eine schlechte Tomatensoße geöffnet zu haben, weiß dass das stinkt. Ich muss jetzt den ganzen Tag in einem See von schlechter Tomatensoße sitzen, was ungefähr so riecht wie Kotze, reingeschissen und eine verwesende Leiche in der Ecke gleichzeitig. Ich putze die guten und stelle alle in die despensa. Die schlechten allerdings, die bis jetzt noch nicht explodiert sind, neigen dazu nachdem sie bewegt wurden. Ich fühle mich ein bisschen wie im Krieg, auch wenn ich nicht weiß wie das so ist, aber bestimmt nicht so stinkig. Ich komme auch ein bisschen an meine Grenzen mit dem Fasten, da ich ständig Flaschenkisten hin und her hieve und auf oberste Regalbretter befördere. Ansonsten ist es unglaublich einfach, wo bei das Essen unserer Köchin mir ungemein hilft.
Jetzt so gegen Ende kommt auch ein bisschen das Heimweh. Einfach mal wieder auf einem Sofa zu sitzen, anstatt auf einer durchgelegenen Matratze und Laugenwecken oder einfach veganen Milchreis, Bier, das nach was schmeckt, Fahrräder, die funktionieren und Straßen, auf denen man fahren kann, komischerweise auch Supermärkte, die einfach um 8 schließen – nicht ewig Siesta haben, dann aber die ganze Nacht offen sind – Pflasterstein und Fachwerk, Socke und Schnee, Hallenbad, Eiscafés – keine ewigen Kioske mehr – Berge, Buchläden, meine Freunde, die Männerabteilung bei H&M und solche Kleinigkeiten eben. Aber eher so, dass ich mich richtig freue Heim zu kommen, es sind ja nur noch 3 Monate – und einer zum reisen. Es fängt jetzt schon an, dass ich Weiden pflanze und Juanca meint, mal sehen ob ich die noch wachsen sehe…
Nun diese Woche darf ich wieder melken. Hoffentlich wird es nicht wie letzte Woche, in der Mateo verschlafen hat und außerdem eine Kuh gemeint hat ‚oh super, ein Spalt von ca 20 cm, da quetsch ich mich grad mal durch‘ und erst bei der Taille hat sie gecheckt, dass sie nun mal eine Kuh ist, also ungefähr einen Bauchumfang von einem guten Meter hat, da ist sie so erschrocken, dass sie gleich mal umgefallen ist. Sie hieng da also fest und alle anderen Kühe haben die Chance genutzt mit ihr zu kämpfen. Ich habe mich todesmutig an ihre Hinterbeine gehängt und sie auf die Seite gedreht, zum Glück war sie schon abgemolken, sonst hätte gleich das Schlachtermesser kommen können, da Mateo ja nicht da war, musste ich ein Brett unter ihre Beine schieben, damit sie nicht rutscht, mich irgendwie schwerer als die Kuh machen, damit die Nuss sich rausschieben kann. Es hat geklappt, aber ich hatte eine Laune danach, dass ich niemandem geraten hätte mir über den weg zu laufen, eine ganze Weile nicht… Mateo hatte unglaublich Glück, dass ich auf spanisch einfach noch nicht so aus dem stehgreif eine halbe Stunden fluchen kann.
Nun happy-Hof-life geht weiter, wir sind bei 18 Kälbchen angelangt. Der Hof muss bald explodieren vor Kühen, aber es ist ja weitflächig hier. Der Winter kommt unaufhaltsam, aber der bringt auch weniger Arbeit mit sich. Ich habe nach mar de plata immer noch 5 Tage Urlaub, also ein paar Wochenendtrips gibt’s noch und ab Samstag kann ja auch bei mir die Schokitime wieder fortgesetzt werden