Tomatsch

Alle schlechten Tomatensossen dürfen auf den Kompost. Wer ist für di Aufgabe besser geeignet, als Nina. Die liebt es nämlich 100 Flaschen aufzumachen, die in der Hand schon explodieren und dann einfach alles (ALLES) vollsabbern, die dann wegzukarren und alle einzeln auszuspülen, weil die Käserei die doch bitte will und Tomatensabber eklig findet – wer nicht?
nun ja, ein paar mehr Blasen am Finger ist auch ok.

Pampa hat ihr Kälbchen geboren. Ich war live und in Farbe dabei, irgendwie eklig, da Pampa aber eine ziemlich verrückte Kuh ist, ist sie eine halbe Stunde gerannt und dann hhat es nur flutsch gemacht, und dann war es ein wunderbares Erlebnis. Allerdings haben die Hunde die Nachgeburt gefressen, die langsam kam und dabei zu gierig angefressen. Der halbe Po ist weg, die Kuh konnte sich schwach nicht wehren, das Kalb kann nicht trinken, die Biestmilch zerreist ihr das Euter…
Auch das Problem eines überfüllten Kälberstalls ist gelöst. Wir haben die Männchen verkauft. Das heisst es wurde auch das erste Zwilligspaar gleich wieder getrennt, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Die zwei konten nicht alleine essen, nicht alleine schlafen, nicht alleine an anderen knuddeligen Kälbchen rumschlonzen. Und das Weibchen ist unfruchtbar, wird also auch bald verkauft. Genauso wie die Mutter, die Antibiotika in der Milch hat, die man dann nicht verkaufen kann. Die Liste der Melkkühe ist sowieso bedeutend kürzer als die der Schlachtkühe. Ja, so ist das. Kleine flauschige braun-blonde Zwillinge kommen auf den Teller und keiner erkennt sie mehr….
ach, ich mal schon wieder ein bisschen schlecht, sorry. Dann stellt euch mal den Himmel vor, wenn man in einer Sternklaren Nacht um 5:20 Uhr Kühe holen geht --- ja, der entschädigt vieles. Auch wnn ich immer Kühe vergesse, weil es einfach zu dunkel ist…

Kultur, hallo!

Mein großer Wunsch ins Ballett zu gehen musste leider scheitern, dafür waren wir endlich mal im Theater „el árbol de los cerezos o la fugacidad del tiempo“. Mateo, Frieda und ich. Am Anfang konnte ich erstaunlich gut folgen bis ich leider 5 Minuten nach Beginn einfach eingeschlafen bin… Da ich gerade faste war Pizza essen danach auch nicht und wir hatten zwar diesmal sogar viele Ideen bei wem wir schlafen könnten, aber natürlich nichts organisiert, also sind wir danach einfach wieder direkt heim gefahren, was von Buenos Aires allerdings ja dann auch bis 4 Uhr dauert. Mein Trost: in 2 Wochen hab ich mir ein verlängertes Wochenende genommen und ab geht’s ans Meer. Mar de plata! Ist zwar Winter und wir haben wieder nur ein Zelt, ein kaputtes dazu und wir sind zu dritt – auch meine beiden Schatzis – aber endlich Meer, dafür setze ich viel!

Um euch ein bisschen über die Arbeit auf dem Laufenden zu halten: im Sommer, also Januar, haben wir unsere unglaubliche Tomatenschwemme zu Soße verarbeitet und in Flaschen gefüllt. Da es das erste Mal war, war das ganze Rezept noch nicht so sehr ausgefeilt und die Hälfte wurde leider schlecht. Schlecht heißt gegoren und gegoren heißt es weitet sich aus, der Deckel ist aber meist so gut zu, dass die ganze Flasche explodiert, explodiert heißt explodiert und zwar richtig. Der Flaschenhals wird abgesprengt, die Soße spritzt, die Restflasche zersplittert. Daher waren die bis jetzt alle im ehemaligen Schweinestall aufbewahrt, wo sie in Ruhe explodieren und spritzen konnten. Irgendwie waren sie aber ja für den Verkauf gedacht und da kam ich arme kleine Nina ins Spiel, die immer ins Spiel kommt wenn sich sonst kein Bereich drum kümmern will. In diesem kleinen Schweinestall stehen, liegen, türmen sich jetzt also hunderte von Glassplitter, Soßenreste, gute Flaschen, schlechte Flaschen. Wer schon mal das Pech hatte eine schlechte Tomatensoße geöffnet zu haben, weiß dass das stinkt. Ich muss jetzt den ganzen Tag in einem See von schlechter Tomatensoße sitzen, was ungefähr so riecht wie Kotze, reingeschissen und eine verwesende Leiche in der Ecke gleichzeitig. Ich putze die guten und stelle alle in die despensa. Die schlechten allerdings, die bis jetzt noch nicht explodiert sind, neigen dazu nachdem sie bewegt wurden. Ich fühle mich ein bisschen wie im Krieg, auch wenn ich nicht weiß wie das so ist, aber bestimmt nicht so stinkig. Ich komme auch ein bisschen an meine Grenzen mit dem Fasten, da ich ständig Flaschenkisten hin und her hieve und auf oberste Regalbretter befördere. Ansonsten ist es unglaublich einfach, wo bei das Essen unserer Köchin mir ungemein hilft.

Jetzt so gegen Ende kommt auch ein bisschen das Heimweh. Einfach mal wieder auf einem Sofa zu sitzen, anstatt auf einer durchgelegenen Matratze und Laugenwecken oder einfach veganen Milchreis, Bier, das nach was schmeckt, Fahrräder, die funktionieren und Straßen, auf denen man fahren kann, komischerweise auch Supermärkte, die einfach um 8 schließen – nicht ewig Siesta haben, dann aber die ganze Nacht offen sind – Pflasterstein und Fachwerk, Socke und Schnee, Hallenbad, Eiscafés – keine ewigen Kioske mehr – Berge, Buchläden, meine Freunde, die Männerabteilung bei H&M und solche Kleinigkeiten eben. Aber eher so, dass ich mich richtig freue Heim zu kommen, es sind ja nur noch 3 Monate – und einer zum reisen. Es fängt jetzt schon an, dass ich Weiden pflanze und Juanca meint, mal sehen ob ich die noch wachsen sehe…

Nun diese Woche darf ich wieder melken. Hoffentlich wird es nicht wie letzte Woche, in der Mateo verschlafen hat und außerdem eine Kuh gemeint hat ‚oh super, ein Spalt von ca 20 cm, da quetsch ich mich grad mal durch‘ und erst bei der Taille hat sie gecheckt, dass sie nun mal eine Kuh ist, also ungefähr einen Bauchumfang von einem guten Meter hat, da ist sie so erschrocken, dass sie gleich mal umgefallen ist. Sie hieng da also fest und alle anderen Kühe haben die Chance genutzt mit ihr zu kämpfen. Ich habe mich todesmutig an ihre Hinterbeine gehängt und sie auf die Seite gedreht, zum Glück war sie schon abgemolken, sonst hätte gleich das Schlachtermesser kommen können, da Mateo ja nicht da war, musste ich ein Brett unter ihre Beine schieben, damit sie nicht rutscht, mich irgendwie schwerer als die Kuh machen, damit die Nuss sich rausschieben kann. Es hat geklappt, aber ich hatte eine Laune danach, dass ich niemandem geraten hätte mir über den weg zu laufen, eine ganze Weile nicht… Mateo hatte unglaublich Glück, dass ich auf spanisch einfach noch nicht so aus dem stehgreif eine halbe Stunden fluchen kann.

Nun happy-Hof-life geht weiter, wir sind bei 18 Kälbchen angelangt. Der Hof muss bald explodieren vor Kühen, aber es ist ja weitflächig hier. Der Winter kommt unaufhaltsam, aber der bringt auch weniger Arbeit mit sich. Ich habe nach mar de plata immer noch 5 Tage Urlaub, also ein paar Wochenendtrips gibt’s noch und ab Samstag kann ja auch bei mir die Schokitime wieder fortgesetzt werden :)

je saute partout

Urlaub war der obermegagenialeabartigkrasse Knaller. Jeder, dens angeht bekommt bald einen Brief.

Hier wird langsam Winter. Die Holzöfelchen laufen auf Hochtouren. Das einzige was ich noch nicht anhabe, wenn ich morgens rausgeh ist meine Winterjacke, aber die muss für harte Zeiten aufgehoben werden. Das heisst leider auch, dass ich die ganze Zeit mein Fenster aulassen muss, weil das Ofenrohr, dass zur Wärmung durch mein Zimmer geht ungefähr 20 cm Sicht verursacht. Macht nicht gerade richtig warm.

Nur noch 4 Monate – alter!?!
bis bald

dem Busfahrer sei ein trullalla

General Rodriguez, Mittwoch abends gegen halb 8: klein Frieda und Nina stehen gerade von ihrem Bir am Kiosk auf und schlendern Richtung Spielplatz um den 500-1 Bus nach Sommer/Abuelitos noch zu erwischen. Für Abenddämmerung ist es schon recht dunkel, aber es kommt ja auch der Winter. Es riecht ein wenig nach Regen, nacher muss das Fenster zu gemacht werden

2 Sekunden später: klein Frieda und Nina sind am Spielplatz, ohne Vorwarnung geht ein waagrechter Wind durch die Gasse, der den kompletten Sandkasten, Müll und Staub mit einer unglaublichen Menge an Regen um ihre Ohren peitscht. Es fängt an in dem Moment, da der Bus um die Ecke biegt, bis er hält sind beide komplett nass und beklebt mit Blättern und Sand. Sie sprinten in den Bus, der jedoch nur 10 Meter weiter kommt und dann warten muss, da er wegen der schiren Menge an Wasser in der Luft kein Stück sieht. Der Strom in komplett Buenos Aires Provincia fällt aus (und ist bis jetzt, Freitag Mittag, noch nicht wieder da). Es ist stockdunkel draussen. Wir kommen bis zum Krankenhaus auf die Ruta 24. Durch die Fensterschlitze peitsch der Regen durch, sie sind fest geschlossen. Die komplette Allee am Rande der Ruta 24 liegt quer auf der Strasse. Der Bus versucht durch verschiedene barrios weiter hinten auf die Ruta 24 zu gelangen, als er jedoch über die Hauptkreuzung in Rodriguez kommt, steht das Wasser schon über den Gehsteigen und Grünflächen. Motorräder drängeln sich mit dem Trittbrett unter Wasser durch, Fahrräder schieben sich vorbei. Die Strassen sind mit Autos überfüllt, denen der Motor abgesoffen ist. Der Bus liegt höher, endet aber jedes Mal wieder in einer Sackgasse, vor einem Baum oder See mitten in der Stadt. Wir fahren fast bis Moreno, aber auch hier ist kein Durchkommen. Umdrehen, beinahe bis Lujan, auf die autopista, die erhöht liegt, und von hinten nach Sommer.
In Sommer wird ein Mann reingetragen, dem offenbar ein Baum oder ähnliches aufs Bein gefallen ist. Er scheint dem Kollabs nah, aber hallo wir sind immer noch in Argentinien. Das heisst währrend 3 Stunden ziemlich bescheuerter Fahrt bleibt natürlich cumbia vom Handy an und alle schreien gute Vorschöäge durch den Bus. „na, dann eben rennen“ – „ach was, alle heben mit an, wir schaffen die Bäume kurz weg“ – „hallo Busfahrer, wo gehts eigentlich hin“ – „oh guck, da ist Polizei! was sagt die“ – „was haben die gesagt?“ – „Mädels, wie habt ihr eigentlich eure Dreadz gemacht?“ – „was hat der denn gesagt?“ – „dass wir rennen sollen haha“ – „nein, das und das“ – „was noch mal?“ – „oh wo gehts denn jetzt hin?“ – „ach, was essen will ich auch“ … nd so weiter.
Argentinier sind Meister im Stimmung in blöde Situationen bringen. Immerhin sieht der Bus ja schon im Stehen aus, als ob er gleich zerfällt. Es ist also eine ziemliche Party heim zu kommen und bei jedem zerstörten riesigen Metallwerbeschild lieber zu lachen als sich Sorgen zu machen.

Was die Nachrichten sagen: la choza ist nur sehr knapp von einem tornado verschont geblieben, der über die Ruta 24 Richtung Moreno fegte. Hier sind nur wenige Bäume zum Tode verurteilt worden. Die Zahl der Toten in Buenos Aires ist von Mittwoch Nacht 6 bis Freitag Morgen 18 gestiegen. Wo der Tornado direkt durch ist sind die Zahlen ungemein höher. Strom, Internet, Handynetz und Telefonleitung sind bis kommende Woche Freitag gekappt. Unzählige Jeeps sind fleissig beim Bäume wegräumen – das sind allerding Privatautos, die Holz klauen.

Ich habe noch niemals so viel Regen auf einmal gesehen, unglaublich.
Der Himmel war durchgehend lila von den Blitzen. Blitze wie aus Fotobänden, unglaublich nah und genau gezeichnet. Ich glaube nicht einmal, dass ich jemals so eine dunkle Nacht erlebt habe. Und es ist ein unglaubliches Gefühl darin zu stehen. Irgendwie eklig, weil es ja ziemlich nass und kalt ist, aber gleichzeitig verbinden sich alle Menschen so stark, dass man irgendwie das Gefühl hat es ist alles besser als sonst. Da noch einen Sekt dazu und es wäre die beste Vorstellung überhaupt gewesen.

you´re a bird, I´m a bird

Auf meinem schösten aller Ausritte vor einer Woche direkt durchs Moor hatte ich auch meinen ersten richtigen Höhenflug. Leider nur kurz, weil dann eine Akazie in meinem Weg war. Dornen erst mal schön eingebohrt, irgendwie hab ich mich im Fall gedreht und über den Rücken gekratzt, musste dann ZIEMLICH schnell sein um unter den Pferdehufen wegzukommen, hab es zu einem Streiftritt verharmlost und musste erts mal bisschen liegen bleiben weil ichs einfach nicht gecheckt habe, was grad passiert ist. Bindann weitergeritten noch eine Weile, Pferde versorgt und alles, bin ins Bett – und steh mit schön dickem blauem Handgelenk auf, das einfach alles andere Denken ausser Schmerz aus meinem Kopf verbannt hat. Naja, alles nicht so tragisch, Krankenhaus. Die haben (in der privatklinik wohlgemerkt) allerdings nur so ein Vorsintflutartiges Röntgengerät. Es ist also wahrscheinlich ein Haarriss, oder angeknackst, oder nur gestaucht – das kann er mir jezt auch nicht so genau sagen. Ein GLück, dass ich meine Ibuprophen 600 dabei hab :)

Es wird auch schon besser, keine Panik, allerdings dachte ich dann ich geh am Montag mal aufs Gogol Bordello Konzert in Buenos Aires, wo es leider einfach nur eng, voll und Pogo gab (es war nebenher auch absolut genial gut!), aber jetzt tuts halt wieder weh…

UND nächste Woche gehts los auf Reisen! Wuha wie geil, ab in den Süden!